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Stimmen zum Weltethos

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Bundespräsident Köhler für ein Weltethos im Rahmen einer kooperativen Weltpolitik
 
In seiner Rede beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps am 15. Januar 2009 im Schloss Bellevue gab Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler eine grundsätzliche Antwort auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise: eine neue kooperative Weltpolitik. Dabei sprach er sich sehr deutlich für ein gemeinsames Menschheitsethos aus: »Zur systematischen Aufarbeitung der Krise gehören meines Erachtens vier zentrale Bereiche:
 
Erstens: Es geht darum, einen neuen Ordnungsrahmen für die internationalen Finanzmärkte zu schaffen. Er muss getragen sein von gemeinsamen Werten und dem Willen, keine aufsichtsfreien Räume zuzulassen. Ich halte es für richtig, einem reformierten Internationalen Währungsfonds die Wächterfunktion über die Stabilität des internationalen Finanzsystems anzuvertrauen.
 
Zweitens: Eine zentrale, tiefer liegende Ursache für das Entstehen der Krise waren die globalen wirtschaftlichen Ungleichgewichte. Wir brauchen ein politisches Verfahren, das dafür sorgt, dass diese Ungleichgewichte abgebaut werden und in dieser Form nicht wieder entstehen können.
 
Drittens: Die Bekämpfung der weltweiten Armut und des Klimawandels müssen als strategische Ziele, und damit als Querschnittsaufgabe, in allen Bereichen internationaler Zusammenarbeit verankert werden. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für eine Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten, also wohlweislich auch für die Entwicklung in den Industrieländern. Ein unschätzbar wichtiges vertrauensbildendes Signal für Zusammenarbeit und gegen Protektionismus wäre der Abschluss der Doha-Runde für ein entwicklungsfreundliches multilaterales Handelssystem noch im 1. Halbjahr 2009. In jedem Fall darf die internationale Finanzkrise nicht zur Ausrede werden, in der Entwicklungszusammenarbeit nachzulassen. Und auch nicht zur Ausrede, die weltweite Umsteuerung auf erneuerbare Energien und Steigerung der Energie- und Rohstoffeffizienz zu verlangsamen.
 
Viertens: Wir müssen uns als Weltgemeinschaft auf ein gemeinsames Ethos verständigen, also auf einen Grundkonsens ›bestehender verbindender Werte, unverrückbarer Maßstäbe und persönlicher Grundhaltungen‹ (Hans Küng). Ein Grundprinzip dafür ist: Wir dürfen andere nur so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen. Im Übrigen denke ich, dass die Finanzkrise jenen Wirtschaftsführern Recht gibt, die sich davon leiten lassen, dass ethische Prinzipien und eine Orientierung an dauerhafter wirtschaftlicher Wertebildung mit Wettbewerb und Profitabilität durchaus vereinbar sind.
 
Die Dimension der Krise verlangt neues Denken. Ich habe dazu ein neues Bretton Woods vorgeschlagen. Es könnte auch in China stattfinden.
 
Die Chance der Krise ist die Schaffung einer neuen, kooperativen Weltordnung. Das ist der Auftrag, der sich aus der Verflechtung aller Staaten und Völker auf unserem Planeten ergibt. Auch die mächtigsten Nationen müssen erkennen, dass sie ihre Interessen nicht im Alleingang durchsetzen können. Nationale Interessen wie Sicherheit, Wohlstand und Stabilität lassen sich im 21. Jahrhundert nur durch eigene Anstrengungen und durch bessere Zusammenarbeit zwischen den Völkern verwirklichen.«


 

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